Studie über sogenannte strafrechtlich relevante Paralleljustiz in Nordrhein-Westfalen

Studie über sogenannte strafrechtlich relevante Paralleljustiz in Nordrhein-Westfalen

In den letzten Jahren sind außergerichtliche Streitbeilegungen innerhalb von Minderheiten (sogenannte Parallel­justiz) zunehmend zum Gegenstand der öffentlichen Debatte in Deutschland geworden. Von Laien wie von Exper­ten werden derartige Mechanismen kritisch gesehen: Sie werden meist als Behinderung der Justiz und als Bedro­hung für den Rechtsstaat wahrgenommen. Das Projekt „Konfliktregulierung in Deutschlands pluraler Gesellschaft“ analy­siert außergerichtliche Konfliktregulierungsmechanismen innerhalb ethnischer, kultureller und religiöser Minder­heiten in Deutschland vor dem Hintergrund von Theorien der normativen Pluralität und dem Konzept der „semi-autonomous social fields“ (Moore). Die „Studie über sogenannte strafrechtlich relevante Paralleljustiz in Nordrhein-Westfalen“ untersucht als Teil dieses Projekts, wie Institutionen mit diesem Phänomen umgehen. Im ersten Teil werden die Schwierigkeiten identifiziert, denen Richter, Staatsanwälte und Ermittlungsbehörden be­geg­nen, wenn solche Mechanismen in strafrechtsrelevanten Situationen zum Einsatz kommen, und entwirft mögliche Lösungen. Gegenstand des zweiten Teils ist das Verhältnis der außergerichtlichen Streitbeilegung zum Rechts­staat, ins­be­son­dere in Bezug auf die Rechte des Individuums und auf das Gewaltmonopol des Staates. Der dritte Teil sucht dem Begriff Paralleljustiz, wie er von den genannten institutionellen Akteuren verwendet wird, schärfere Konturen zu verleihen. Die Studie fokussiert hauptsächlich auf Nordrhein-Westfalen und verwendet qualitative Forschungs­methoden (Surveys, Aktenanalyse, Interviews und Runde Tische).

 

Forschungsergebnis: Forschungsbericht, Artikel
Forschungsschwerpunkt: III. Strafrecht in fragmentierten Gesellschaften
Projektsprache: Deutsch
Projektstatus: abgeschlossen
Foto: © Radachynskyi/iStock-1139899254

 

 

Podcast

Gibt es eine Paralleljustiz?
Alternative Konflikt­regu­lie­rung in Deutschlands Ein­wande­rungs­gemeinschaften

Zu Gast: Clara Rigoni • 10/2021
Manchmal kommt es vor, dass Straftaten nicht bei der Polizei angezeigt werden. In Einwan­derungs­familien werden statt­des­sen hin und wieder sogenannte Friedens­richter oder Schlich­ter bestellt. Diese kommen zumeist aus demselben Kulturkreis und haben die Aufgabe, Konflikte unabhängig von der deutschen Poli­zei und Justiz zu regeln. Die Juristin Dr. Clara Rigoni forscht über solche außer­gericht­li­che Konfliktregulierungen in Deutschland. Gemein­sam mit einem Team aus Ethnologinnen und Ethnologen will sie herausfinden, wie diese Praktiken u.a. in afghanischen, türkisch-liba­ne­si­schen, türkischen und Roma-Gemein­schaf­ten aber auch im Rocker-Milieu genau aus­se­hen – ein wissenschaftliches Großprojekt, das es bislang in dieser Form noch nicht gab. In der neuen Folge des Podcast erklärt die Juris­tin, warum es unabdingbar ist, mehr über das Phänomen der alternativen Konfliktregulierung zu erfahren, wie deutsche Behörden damit um­ge­hen und mit welchen Mitteln und Kniffen dagegen angegangen werden sollte.

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